>>> Kartentricks mit einem Stack (Mental-Magie)

01.03.2016 13:00

Kartentricks mit einem Stack (Mental-Magie)

Kürzlich haben wir über die Möglichkeiten eines Kartenstacks bzw. Legesystems berichtet und Ihnen eine Beispiel-Routine mit dieser Geheimwaffe versprochen. In diesem Beitrag ist es nun soweit und wir stellen Ihnen eine Routine vor, welche mit einem gelegten Kartenspiel bewerkstelligt werden kann.

Effekt:

Sie bitten einen Zuschauer, ein Kartenspiel beliebig oft abzuheben. Dann nimmt er fünf Karten vom Spiel herab und fächert sich diese vor. Da Ihnen lediglich die verbliebenen 47 Karten übrig bleiben, haben Sie scheinbar keine andere Wahl, als über das Ausschlussverfahren die fehlenden fünf Karten zu ermitteln. Doch anstatt sich etwa eines aufwendigen Rechen- oder Sortierverfahrens zu bedienen, blättern Sie lediglich einmal mit dem Daumen durch das (zwischenzeitlich gemischte) Kartenspiel und sind sofort in der Lage, die fünf Zuschauerkarten zu nennen.

Set-Up:

Das Geheimnis hinter diesem "Mental-Wunder" ist natürlich das bereits erwähnte "gelegte Kartenspiel". Das Grundprinzip eines solchen Stacks sieht vor, dass ein Kartenspiel beim Vorfächern oder Ausstreifen auf den ersten Blick gemischt aussieht, sich jedoch ein Ordnungssystem hinter dem scheinbar willkürlichen Chaos verbirgt. Sie können jedes von Ihnen bevorzugte Legesystem benutzen oder das kürzlich in unserem Blog veröffentlichte "Si-Stebbins"-System verwenden, welches Sie zum Nachlesen noch einmal HIER finden.

Nach diesem System kann das Spiel beliebig oft abgehoben werden, ohne die Ordnung in sich zu zerstören. Heben Sie ruhig einige Male ab und testen Sie, wie schnell Sie anhand der unten liegenden Karte die oberste Karte ermitteln können. Gehen Sie dazu in Gedanken einfach eine Kartenfarbe nach Ihrem Farbschema weiter und ergänzen sie diese um den drittnächsten Kartenwert.

Präsentation:

Nachdem Sie das Kartenspiel gegebenenfalls einige Male beiläufig falsch gemischt oder falsch abgehoben haben (dieser Schritt ist nicht erforderlich), bitten Sie einen Zuschauer, das Deck an einer beliebigen Stelle abzuheben. Was das Abheben genau bedeutet, können Sie ihm vormachen, indem Sie bei der Aufforderung selbst einen Teil des Kartenspiels von oben herab nehmen, ihn neben das Restspiel legen und dann das Restspiel auf dem zuvor abgelegten Kartenpäckchen platzieren. Denn nur, wenn der Zuschauer genau so abhebt, bleibt die Ordnung erhalten.
Geben Sie Ihrem Zuschauer ruhig die Möglichkeit, erneut abzuheben. Für Sie ist es zwar vollkommen egal, wie oft der Zuschauer das Deck abhebt. Doch wichtig ist, dass der Zuschauer die Chance bekommt, den Trick an dieser Stelle mitzugestalten. Da der Zuschauer durch das Abheben selbst bestimmen durfte, von welcher Stelle im Deck er seine fünf Handkarten nimmt, ist das "erraten" der richtigen Karten später umso eindrucksvoller.

Bitten Sie ihn nach dem Abheben, die obersten fünf Karten zunächst einzeln bildunten auf den Tisch zu zählen. Anschließend darf er die Karten aufnehmen und sich diese ansehen. Mischen Sie den Rest des Decks ruhig noch einmal durch. So wird der Verdacht eliminiert, Sie würden anhand einer bestimmten Ordnung die Karten ausfindig machen können. Die Ordnung brauchen Sie tatsächlich nicht mehr. Denn die einzige Information, die Sie noch benötigen, liefert Ihnen die unterste Karte des Spiels. Werfen Sie beim Mischen einen flüchtigen Blick darauf und merken Sie sich die Karte.

Mittels des Si-Stebbins-Systems können Sie so bereits die Karte ermitteln, welche ganz oben auf dem Deck gelegen haben muss. Der Zuschauer hat die oberen fünf Karten einzeln abgezählt. Die ursprünglich oberste Karte ist also an die unterste Stelle der fünf Karten gewandert. Da der Zuschauer die Karten anschließend vor sich aufgefächert hat, können Sie mit Sicherheit sagen, dass sich diese Karte aus Zuschauersicht an der ersten Position des Fächers befindet. Angenommen, es handle sich bei dieser Karte um die Herz 6. Dann wären die vier anderen Karten in der Hand des Zuschauers die Pik 9, die Karo Dame, die Kreuz 2 und die Herz 5 (siehe Abbildung). Dies lässt sich dank des Systems herleiten. Schließlich lagen diese fünf Karten im sortierten Deck unmittelbar nebeneinander, sodass Sie aus der Herz 6 zunächst die Pik 9 ableiten können, woraus sich wiederum die Karo Dame als Folgekarte ergibt und so weiter.

Nach dem Si Stebbins-System ergeben sich in einem solchen 5-Karten-Fächer folgende Gesetzmäßigkeiten, die Ihnen bei der Ermittlung der Werte behilflich sein könnten:

  1. Die erste und letzte Karte gehören der gemeinsamen Kartenfarbe an (hier: Herz) und haben aufeinander folgende Werte (hier: 5 u. 6)
  2. Mindestens eine Karte ist eine Bildkarte
  3. Maximal zwei Karten sind Bildkarten

Sie kennen nun die Karten des Zuschauers und Sie wissen sogar, an welcher Position sie sich jeweils befinden. Aber zugegeben: Sich auf Anhieb fünf Karten und ihre jeweilige Postion zu merken, ist nicht unbedingt einfach. Doch das einzige, was Ihnen beim Einprägen der Karten helfen kann ist Zeit. Und die können Sie sich verschaffen, indem Sie zum Beispiel ein kleines Schauspiel einfügen. Erzählen Sie dem Publikum, dass es für Sie nur eine Möglichkeit gäbe, die fünf Karten des Zuschauers zu erraten:
"Aus den 52 Karten des Spiels haben Sie fünf entwendet. Das heißt, dass noch 47 Karten verbleiben. 47 Karten, die Ihre Auswahl perfekt ergänzen. Meine Aufgabe ist es nun, schnellstmöglich herauszufinden, welche fünf Karten dieses unvollständige Deck komplett machen."

Nehmen Sie das Kartenspiel in die Hand und setzen Sie einen konzentrierten Blick auf (wenn dieser nicht ohnehin entsteht, da Sie in diesem Moment die Zeit nutzen, um die fünf Karten zu ermitteln und sich diese zu merken). Tun Sie einfach so, als bräuchten Sie eine kleine mentale Vorbereitung auf die Ihnen bevorstehende Aufgabe. Sie können dabei auch Ihre Augen schließen. Nehmen Sie sich genug Zeit, um jede der fünf Karten in Gedanken einmal erfassen zu können. Sie sollten dabei nicht so wirken, als würden Sie stark nachdenken. Versuchen Sie lieber, durch ein paar tiefe Atemzüge und eine ruhige Körperhaltung eine entspannte aber konzentrierte Haltung anzunehmen. Öffnen Sie Ihre Augen, visieren Sie konzentriert das Kartenspiel an und rauschen Sie mit dem Daumen durch das Deck. Ihr Publikum sollte hierbei den Eindruck bekommen, dass Sie tatsächlich versuchen würden, sich die 47 Karten in Rekordzeit einzuprägen. Blättern Sie deshalb in einem Tempo, welches Ihnen ermöglichen könnte, jede Karte wenigstens kurz erkennen zu können.

Nach dem Durchblättern können Sie sich erneut eine kleine Pause gönnen. Schließlich müssen Sie 47 Karten gedanklich sortieren und herausfinden, welche fünf Karten fehlen. - So wirkt es zumindest auf Ihr Publikum. In Wahrheit konzentrieren Sie sich natürlich wieder auf die Ihnen bereits bekannten fünf Karten. Gehen Sie das System noch einmal ab der ersten Karte durch und prägen Sie sich die fünf Karten gut ein. Sobald Sie meinen, die Karten einigermaßen sicher zuordnen zu können, dürfen Sie wieder aus Ihrer konzentrierten Abwesenheit erwachen. Falls Sie allerdings das Gefühl haben, noch ein wenig Zeit zu brauchen, können Sie einfach vorgeben, einen weiteren Blick durch das Kartenspiel zu benötigen, da Ihnen scheinbar ein, zwei Karten entgangen seien. Das gibt Ihnen wieder etwas Zeit für Ihre eigentliche Aufgabe. Wenn Sie die Karten mit Sicherheit kennen, geben Sie Ihrem Publikum bekannt, dass Sie jetzt die fehlenden Karten nennen können müssten.

Bauen Sie noch ein wenig Spannung auf, indem Sie zum Beispiel erläutern, welche Technik Sie angeblich angewendet haben:
"Zu aller erst fällt natürlich auf, von welcher Farbe die meisten Karten fehlen. In diesem Fall habe ich weniger rote als schwarze Karten gezählt. Also müssen in Ihrem Blatt mindestens drei rote Karten liegen." Diese Information erhalten Sie zusammen mit der Karte, die Ihnen als erste bekannt ist (in diesem Fall die Herz 6). Denn da die Karten im Legesystem immer dem Schema "rot-schwarz-rot-schwarz" folgen, setzen sich die Handkarten des Zuschauers stets aus drei Karten der einen Farbe sowie zwei Karten der anderen Farbe zusammen. Welche Farbe in der Mehrheit ist, hängt ganz davon ab, ob die oberste Karte nach dem Abheben rot ist oder schwarz. In diesem Fall erfahren Sie durch die Kreuz 3, dass die oberste Karte (die Herz 6) eine rote Karte ist. Sie wissen also, dass der Zuschauer drei rote Karten in der Hand hält, auch wenn Sie die dazugehörigen Kartenwerte gar nicht im einzelnen kennen müssen.

Fahren Sie dann fort:
"Die Bildkarten, also die Karten, auf denen Personen abgebildet sind, stechen beim Durchblättern besonders ins Auge. Ich konnte erkennen, dass mindestens eine Bildkarte fehlt." (Zur Erinnerung: Der Zuschauer hält die Herz 6, die Pik 9, die Karo Dame, die Kreuz 2 und die Herz 5 in seiner Hand. Die Dame liegt also genau in der Mitte des Zuschauerblattes.)

"Ihr Blick verrät bereits die Position dieser Karte in Ihrer Hand. Wenn mich nicht alles täuscht, müssten Sie hier die Karo Dame in der Hand halten." Ziehen Sie dabei die entsprechende Karte aus dem Fächer. Dass die Augen des Zuschauers die Position verraten hätten, soll lediglich kaschieren, dass Sie bereits über die genaue Lage der Karten informiert sind. Die Aussage, dass mindestens eine Bildkarte fehlt, trifft übrigens bei fünf Karten immer zu. Da das Legesystem in Dreierschritten arbeitet, kann der Zuschauer ohnehin maximal zwei Bildkarten in der Hand halten. Dies ist dann der Fall, wenn die erste Karte ein König ist (denn dann folgen die 3, die 6, die 9 und eine Dame) oder wenn es sich bei der ersten Karte um eine Dame handelt (in diesem Fall folgen die 2, die 5, die 8 und ein Bube). In beiden Fällen sind die zwei Bildkarten vom gleichen Farbengeschlecht. Sollte der Zuschauer zwei Bildkarten auf der Hand haben, können Sie das Aufdecken dieser Karten etwas theatralischer gestalten:
"Ich bin mir sicher, dass Sie zwei Bildkarten in der Hand halten. Ich konnte leider nicht ganz erkennen, um welche zwei Figuren es sich genau handelt. Doch ich habe das Gefühl, zwischen diesen Karten besteht eine enge Bindung. Nicht nur, weil Sie auf ihre Weise zusammengehören. Nein, vielmehr deshalb, weil Sie unbedingt wieder zusammen kommen wollen, denn Sie sind voneinander getrennt!..." Nennen Sie nun die zwei Bildkarten und nehmen Sie diese rechts und links aus dem Fächer - um sie wieder zusammen zu bringen.

Bis zu diesem Punkt haben Sie bereits eine oder zwei Karten aus dem Fächer entfernt. Sollte der Zuschauer lediglich eine Bildkarte auf der Hand gehabt haben, so muss sich diese an zweiter, mittlerer oder an vierter Position befunden haben. Das bedeutet gleichzeitig, dass die zwei außen liegenden Karten nach wie vor im Fächer liegen. Da die Werte dieser zwei Karten unmittelbar aufeinander folgen, können Sie auch hier die Geschichte der "starken Bindung trotz räumlicher Trennung" zum besten geben. Entlarven Sie die Karten, fügen Sie sie wieder zusammen und sortieren Sie diese aus.

Somit bleiben lediglich zwei Karten in der Hand des Zuschauers übrig. Bitten Sie Ihren Zuschauer nun, eine der beiden Karten abzulegen. Die verbleibende Karte können Sie beispielsweise "mithilfe Ihrer Menschenkenntnis" ermitteln:
"Sie sind kein Mensch, der sich für eine dunkle Karte entscheiden würde. Vielmehr wählen Sie die "freundlicheren" Karten. Sie haben eine rote Karte in der Hand. Wenn mich nicht alles täuscht, haben Sie sich gegen die...(hier nennen Sie die abgelegte Karte)...zugunsten der...(hier nennen Sie die in der Zuschauerhand verbliebene Karte)...entschieden."

Auf eine ähnliche Art können Sie die Zuschauerkarte aufdecken, wenn Sie mit den beiden Bildkarten erst zwei Karten aus dem Fächer entfernt haben. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass der Zuschauer zwei Karten ablegen muss, wenn Sie ihn bitten, sich für eine Karte zu entscheiden.

Auf diese Weise haben Sie scheinbar fünf frei gewählte Karten auf perfekte Weise erraten, was Ihren Zuschauern als unerklärliches Rätsel in Erinnerung bleiben wird.

Bei Unklarheiten, Lob oder Kritik würden wir uns sehr über ein Kommentar (siehe weiter unten) freuen. Vielen Dank.

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