>>> Das Rauh/Glatt-Prinzip

22.03.2016 14:00

Bedeutung des Rauh/Glatt-Prinzips in der Zauberkunst

Das sogenannte Rauh/Glatt-Prinzip gehört in den Bereich der Kartenmagie, mit dem sich grandiose Kartentricks bewerkstelligen lassen. Es handelt sich um eine geniale Präparation, die es ermöglicht, das zwei oder mehrere Karten zusammen halten (aber nicht kleben), um so als eine gehandhabt werden zu können.

Das Prinzip selbst kann man sich in etwa so vorstellen:
Die Karten sind auf Ihrer Oberfläche in der Regel sehr glatt, was dem sogen. Finish der Karten zu verdanken ist , wodurch eine geschmeidige Handhabung der Karten gewährleistet wird. Dadurch lassen sich solche Spielkarten spielend leicht Mischen, Ausstreifen, Auffächern oder sich damit perfekte Flourishes (Ziergriffe und Abhebetechniken) ausführen. Dies liegt daran, dass die Karten perfekt voneinander abrutschen.

Das Rauh/Glatt-Prinzip unterbindet den Effekt. Stellen Sie sich dazu vor, die Oberfläche wäre jetzt nicht mehr glatt, sondern hätte die Struktur eines Sand- bzw. Schleifpapieres, aber eben mikroskopisch klein, sodass dies nicht sicht- oder spürbar ist. Zwei Sandpapiere aneinander gelegt lassen sich keineswegs aufeinander verschieben. Dieser Effekt wird auf mikroskopischer Ebene auf den Karten angewendet, indem eine entsprechende Schicht auf die gewünschte Kartenfläche aufgetragen wird. So können Einzelkarten, Vorder- oder Rückseite oder nur Bereiche davon entsprechend präpariert werden, um damit einen gewünschten Effekt zu erzielen.

Was passiert aber, wenn z.B. eine glatte Oberfläche (Kartenseite) auf eine rauhe Seite trifft? Nichts, denn dann verhalten sich die Karten so, als ob es zwei glatte Seiten wären, da die glatte Oberfläche keinen "Grip" auf der der rauhen Oberfläche findet. Das ist äußerst genial und hilfreich, weshalb einige der besten Kartentricks auf diesem Prinzip basieren. Daher auch der Name des Rauh/Glatt-Prinzips, denn erst durch die Kombination von präparierten und unpräparierten Spielkarten erreicht man die entsprechenden Kartentricks.

Welche Zauberkunststücke werden mit diesem Prinzip erzielt?

Grundsätzlich können hier jetzt nicht alle Kartentricks, welche auf diesem Prinzip basieren, aufgezählt werden, da dieses im Einzelfall Teil des Trickgeheimnisses ist. Im Falle des Invisible Decks möchte ich aber gerne eine Ausnahme machen, da es sich dabei um den wohl bekanntesten, beliebtesten und auch stärksten Karten-Effekt handelt, den man mit dem Rauh/Glatt-Prinzip erzielen kann.

Auch einige Forcier-Kartenspiele oder Color changing Decks basieren auf diesem Prinzip. Es muss aber nicht immer ein ganzes Kartenspiel präpariert sein, denn auch allein schon zwei oder drei präparierte Spielkarten können sich als sehr hilfreich erweisen - sei es z.B. nur, um einen Double Lift vorzubereiten oder eine bestimmte Karte aus dem Deck verschwinden zu lassen.

Wie wird die Präparation vorgenommen?

Es gibt spezielle Rauh/Glatt-Sprays, die jedoch in Deutschland nur noch selten erhältlich sind, da diese als Gefahrgut transportiert werden müssen und daher schwer nach Deutschland zu importieren und anschließend auch innerhalb Deutschlands nicht einfach an die Kunden zu versenden sind. Die unbekannten Inhaltsstoffe erschweren den Import zusätzlich, sodass unsere letzte Bestellung komplett an den Lieferanten zurückging.

Grundsätzlich handelt es sich um ein Präparat aus dem Modellbau, welches für eine matte Oberfläche sorgt und dafür eingesetzt wird, um einem Modell einen alten Look zu verpassen. Dieser Lack nennt sich Dull Cote und kann auch über Ebay oder Amazon bestellt werden. Leider besteht das Importproblem (da Sie es vermutlich im Ausland erwerben müssen) auch bei einem Privatkauf, weshalb man im Einzelfall selbst für die Deklarierung der Ware und allen damit verbundenen Pflichten und Kosten verantwortlich ist. Alternativ wurde auch schon viel mit Haarspray und anderen Präparaten experimentiert, aber das Ergebnis ist eher ernüchternd. Hin und wieder hat man auch Glück und man findet ein Präparat, welches scheinbar funktioniert, jedoch ist die Funktion dann meist nur von kurzer Dauer und nicht wirklich befriedigend.

Weiterhin gibt es den Speziallack noch als Tinktur, welche mit einem Pinsel aus einer Art Nagellack-Flasche entnommen werden und auf die Karte aufgetragen werden kann. Diese Art der Präparation erwies sich jedoch als ungeeignet. Das Spray ist und bleibt die beste Wahl, welches wir Ihnen jedoch aus o.g. Gründen leider nicht mehr anbieten können.

Einfacher ist es da, sich die fertig präparierten Karten oder -Decks hier im Zaubershop zu kaufen, denn diese können wir auf ganz normalem Wege aus dem Ausland importieren, ohne dabei Probleme mit dem Zoll zu bekommen.

Ein kleiner Wehrmutstropfen...

Einen Nachteil bringt das Rauh/Glatt-Prinzip mit sich. Die Präparation nutzt sich ab. Je öfter zwei präparierte Seiten übereinander gerieben werden, schleift sich die Oberfläche wieder glatt, sodass die Funktion irgendwann nicht mehr zu 100% gewährleistet ist. An diesem Punkt müsste entweder mit einem entsprechenden Spray nachgearbeitet oder ein neues Trickspiel erworben werden. Beim Invisible Deck ist das meist bei den Karten der Fall, die von den Zuschauern oft ausgewählt werden, wie etwa die Herz Dame oder das Pik As. Dennoch sind mind. 100 Vorführungen möglich, bis das Prinzip evtl. seinen Dienst verweigert. Es kommt letztendlich auf die Einzelbeanspruchung der immer gleichen Karte(n) an, wie lange die Präparation hält. Bis dahin ist in den meisten Fällen aber auch bereits das Restspiel relativ abgegriffen, weshalb eine Nachbesserung der Präparation alleine auch dann kein qualitatives Deck mehr hervorbringt. Hier sollte ein Neukauf erwogen werden.

 

In unserem Zaubershop-Blog finden Sie regelmäßig neue Beiträge zu diversen Zaubertrick-Prinzipien, Produkt Reviews oder Entscheidungshilfen. Um keinen neuen Beitrag zu verpassen, können Sie unter folgenem Link unseren Newsfeed abonnieren:


Kommentar eingeben